So oft richten wir unseren Blick nach oben. Wir hoffen auf Eingreifen, auf Kraft, auf einen Moment, in dem sich etwas von außen löst, was wir selbst nicht zu bewegen vermögen. „Wenn nur…“, denken wir. Wenn nur mehr Stärke da wäre. Mehr Klarheit. Mehr Hilfe.
Doch vielleicht liegt der eigentliche Grund für den Stillstand gar nicht in dem, was von oben kommen sollte – sondern in dem, was wir unten festhalten?!
Denn wir halten fest. An Gewohnheiten, die uns längst nicht mehr guttun. An Sicherheiten, die uns klein halten. An Vorstellungen davon, wie Dinge sein müssten, obwohl sie uns innerlich blockieren. Und oft tarnen wir dieses Festhalten als Warten auf neue Kraft. Dabei ist es nicht die fehlende Kraft, die uns hindert – sondern der fehlende Mut zum Loslassen.
Loslassen ist unbequem. Es bedeutet, Kontrolle aufzugeben. Es bedeutet, durch eine Phase der Unsicherheit zu gehen, in der nichts sofort den alten Halt ersetzt. Genau deshalb erscheint es uns leichter, nach „Kraft von oben“ zu fragen, als unten die Hände zu öffnen.
Und doch spricht Jesus genau in diese – so typisch menschliche - Erwartung hinein:
„Wer sein Leben festhalten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.“ (Matthäus 16,25)
Das ist keine fromme Vertröstung, sondern eine radikale Einladung: Lass los, was du krampfhaft sichern willst – gerade darin liegt der Weg zum wirklichen Leben.
Denn in dem Moment, in dem wir loslassen, entsteht Raum. Raum für Neues, für Bewegung, für echte Veränderung. Was vorher blockiert war, kann fließen. Was festgefahren war, kommt in Gang. Nicht, weil plötzlich mehr Kraft von außen da ist – sondern weil wir aufgehört haben, unsere eigene Entwicklung festzuhalten.
Das bedeutet natürlich nicht, dass wir keine Hilfe brauchen. Aber Hilfe entfaltet ihre Wirkung erst dort, wo wir bereit sind, etwas gehen zu lassen.
Häufig ist die ehrlichere Frage also nicht:
„Warum bekomme ich keine Kraft von oben?“
Sondern:
„Was halte ich unten noch fest, dass ich längst loslassen sollte?“
Und nicht selten liegt genau darin die Lösung und Hilfe, die wir gesucht haben.
In herzlicher Verbundenheit
Euer
Uli Falk
Neuapostolische Kirche