"Ich will heben,
tragen
und erretten!"

So lautete die Kernbotschaft aus dem Bibelwort für den Gottesdienst für die Senioren des Bezirks Hamburg-Nord am Sonntag, 20.März 2022, in der Kirche in Hamburg-Alstertal: 

„Hört mir zu, ihr vom Hause Jakob und alle, die ihr noch übrig seid vom Hause Israel, die ihr von mir getragen werdet von Mutterleibe an und vom Mutterschoße an mir aufgeladen seid: Auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will heben und tragen und erretten“ (Jesaja 46,3.4).

Vor dem Gottesdienst kam ein Vater mit seiner kleinen Tochter in die Sakristei, die sichtlich genoss, auf Papas Arm alles und alle im Raum gut sehen zu können. Beim Hinausgehen zeigte sich - die Kleine konnte schon laufen! Aber auf Papas Arm getragen zu werden, macht eben alles leichter!

„Ich will euch tragen“, diese Zusage Gottes legt eine feste Grundlage, die Jesus in Matthäus 28,20 bekräftigt: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Darauf können Jung und Alt bauen. Jedes Leben bringt Schönes und Schweres, aber einer hat versprochen, uns immer zu tragen: Gott ist treu - unser Leben lang. Jesus kennt jede menschliche Not und sieht nie weg. 

Gerade in der Zeit des Krieges in der Ukraine fragen wir mit vielen Menschen: Woher nur kommt Hilfe? Psalm 121 antwortet: „Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Aber ist das angesichts der vielen Waffen, angesichts von Zerstörung, Gewalt, angesichts von Vertreibung und Flucht der Ukrainerinnen und Ukrainer nicht zu wenig? Klingt das nicht nach Vertröstung? Die Antwort ist ein entschiedenes Nein, denn wir wenden uns doch an den, der Himmel und Erde geschaffen hat! Zwar hat der Mensch Macht zu zerstören, aber Gott hat die Macht zu erschaffen! In diesem Vertrauen betete die Gemeinde, die nicht nur aus Seniorinnen und Senioren bestand, zu Gott um Frieden für alle Menschen, und aktuell besonders um das Ende des Krieges in der Ukraine.

In allen Schwierigkeiten hilft uns immer wieder, sich daran zu erinnern, wie oft Gott uns schon getragen hat. Dazu ein Beispiel aus 5. Mose 1, aus 28-31: Am Ende ihrer vierzigjährigen Wüstenwanderung machten die ausgesandten Kundschafter den Israeliten Angst vor den riesigen Menschen in Kanaan, dem gelobten Land, das zum Greifen nahe war. „Unsere Brüder haben unser Herz verzagt gemacht, als sie sagten: Ein Volk, größer und höher gewachsen als wir, und große Städte mit Mauern bis zum Himmel“, hielten sie Mose entgegen. Mose machte ihnen Mut, indem er sie an Gottes erlebte Hilfe erinnerte: „Gott, der vor euch herzieht, wird für euch streiten, ganz so, wie er's an eurer Seite getan hat in Ägypten vor euren Augen und in der Wüste. Da hast du gesehen, wie dich der Herr, dein Gott, getragen hat, wie ein Mann seinen Sohn trägt…“

Man hört manchmal, „du kannst warten, bis du schwarz wirst…“ Beim Herrn klingt es anders! Er trägt uns bis wir grau werden! Mancher färbt sich lieber die Haare, um jung auszusehen. Hier aber steht das Grau vor allem für die Lebenserfahrung, für die Weisheit und Güte, in die wir hineinwachsen. 

Wir sind im Leben getragen worden von Eltern, Verwandten, Freunden, Lehrern, denen wir viel zu verdanken haben. Irgendwann kommt es dann auf unsere Güte an. Uns wächst im Lauf des Lebens die Aufgabe zu, selber zu tragen, Stützen für andere zu werden.

Wie können wir das tun? 

Wir können für andere Menschen beten, in dem festen Bewusstsein, dass Gott jedes Gebet hört!

Wir können dem Nächsten Zeit schenken; Zuhören, auch wenn es einmal schwer fällt, weil man manche Geschichten schon „tausendmal“ gehört hat…

Wir können Menschen besuchen, die vergessen am Rand stehen, und sie zurück in die Mitte der Gemeinschaft einladen.

Wir können gegen den zunehmenden Hass in den sozialen Medien gut über andere Menschen reden und Achtung und Respekt zeigen.

Wir können Spendenaufrufe beachten in dem alten Wissen, dass Teilen nicht ärmer macht, aber den Ärmeren hilft.

Priester Arne Melbye unterstrich in seinem Predigtbeitrag noch einmal die Zusage Gottes: „Ich will euch tragen, bis ihr grau werdet“, nicht erst wenn ihr schon grau seid. Das gilt also lebenslang! 

In den vielen Veränderungen im Leben, auf die wir uns immer wieder einstellen müssen, können wir uns einerseits auf Gottes Wort verlassen, „auch bis in euer Alter bin ich derselbe“. Er bleibt immer der, auf den wir uns verlassen können. Andererseits können wir damit aber auch Veränderungen entgegentreten, die Unsicherheit oder Angst erzeugen. Gott ist immer da und wird heben, tragen und erretten!

Dann ging Priester Melbye noch auf den den Satzteil ein, „ich will heben“.

Wer z.B. ein Kind auf den Arm hebt, kann ihm in die Augen sehen. Indem Gott uns empor hebt, schafft er Nähe und Augenhöhe; wir dürfen uns wahrgenommen fühlen und Gott zeigt uns eine neue Perspektive. Er lässt uns Dinge sehen, die wir sonst nicht sehen können. Das tut Gott so lange wir leben, und so er wird auch da sein, wenn wir den letzten Schritt tun.